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Der 70:20:10-Irrtum

05 Jun 2019

Immer wieder taucht sie auf, die gute alte 70:20:10-Methode, die da besagt, dass wir

  • 70% durch Erfahrung lernen
  • 20% durch den Austausch mit anderen lernen
  • 10% formal in Kursen und Seminaren, aus Büchern, etc. lernen.

Diese Methode wurde in den 90er Jahren am Center for Creative Leadership entwickelt. Sie basiert auf einer Umfrage, die unter Managern zu deren Lernverhalten durchgeführt wurde. Die Methode hört sich gut und griffig an und ist gerade in der heutigen Zeit des Wandels in der Weiterbildung eine beliebte Herangehensweise, um die Weiterbildung zu restrukturieren und zu modernisieren. Doch diese Methode führt in die Irre.

Dass wir durch Erfahrung, durch den Austausch und durch formales Lernen lernen ist eine Erkenntnis, auf die man mit gesundem Menschenverstand auch kommt. Diese Erkenntnis ist auch sehr wichtig für modernes Lernen und muss auf jeden Fall deutlich mehr Eingang in Bildung und Weiterbildung finden als bisher. In die Irre geführt wird man jedoch durch die Zahlenkombination 70:20:10, die ja gerade die Quintessenz der Umfrage ist und zu dem Modell geführt hat. Da diese Zahlenkombination sehr einprägsam ist, ist sie oft zum Mantra der Personalentwicklung geworden. Doch das lenkt den Blick ab vom Wesentlichen – der situativen Gestaltung der Lernwelt, in der das Lernen durch Erfahrung, das Lernen durch den Austausch und das formale Lernen auch in situativer Zusammensetzung gesehen werden müssen. Es lenkt den Blick auch ab von den Lernenden und deren Lernkompetenzen.

Hier einige Beispiele:

  • Eine Person, die nicht in der Lage ist, über ihre Erfahrungen zu reflektieren und aus der Selbstreflexion zu lernen, wird womöglich viel mehr durch den Austausch lernen als durch eigene Erfahrung.
  • Ein neuer Mitarbeiter wird zu Beginn seiner Tätigkeit wesentlich mehr durch ein sehr gutes formales Onboarding-Programm lernen als durch Erfahrungen, die er erst später machen wird.
  • Als ich in den 90er Jahren nach dem Studium bei Siemens Nixdorf einstieg wurde ich ins „Erfahrungslernen“ geschickt – auf einem für mich völlig fremden und völlig neuem Gebiet. Ich konnte gar nicht durch Erfahrungen lernen, weil mir die Grundlagen fehlten. Also habe ich die Kollegen „genervt“ und Bücher sowie informelle Quellen von Siemens Nixdorf bearbeitet. Erst als ich einen bestimmten Stand hatte konnte ich meine Erfahrungen machen.

Nun hörte ich in diesem Kontext auch immer wieder die Aussage, die Zahlen 70:20:10 sind ja nur eine grobe Orientierung, die darf man nicht zu wörtlich nehmen. Leider werden sie aber häufig zu wörtlich genommen. Ganz abgesehen davon: was habe ich von diesen Zahlen, wenn sie nur als grobe Orientierung dienen? Dann helfen sie nicht wirklich.

Fazit:

Die Einteilung des Lernens in die drei Gruppen Erfahrungslernen, Lernen durch Austausch und formales Lernen halte ich vor allem für modernes Lernen genial – aber wie schon gesagt auch mit gesundem Menschenverstand herleitbar. Die Zahlen 70:20:10 sind dabei nicht einmal als Richtschnur tauglich, weil sie in die Irre leiten können. Für uns als Personalentwickler und Weiterbildungsverantwortliche heißt das, den richtigen Rahmen zu schaffen, um Erfahrungslernen, Lernen durch Austausch und formales Lernen situativ und individuell zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass die Lernenden ihren Lernprozess mehr in die eigene Hand nehmen können als bisher.

Lernende Grüße aus dem Rheinland

Konrad Fassnacht

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Konrad Fassnacht

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